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WE PARAMALUS! <=> WE PARAPOM!

Pomologen zu WE PARAPOM!

Ein Bericht von den „Mitteleuropäischen Pomologentagen 2021“ in Bad Muskau  bezüglich des „WE PARAPOM!“ Projektes und zur aktuellen Projektentwicklung seit dem 25.9.2021.

Zusammenfassung in sechs Sätzen:
Noch ist offen, ob das „WE PARAPOM!“ -Team die Kritik von allen Seiten ignoriert und bei seinem „WE PARAMALUS!“ – Ansatz bleibt, oder ob es ein „WE PARAPOM!“ Projekt daraus macht, also so etwas ähnliches, wie die „Streufruchtparade„. „Malus“ ist der Apfelbaum und „Poma“ das Obst, „Pomarium“ der Obstgarten und die „Pomologie“ die Obstbaukunde.
Pomologen und das derzeit noch „WE PARAMALUS!“ Team stimmen gemeinsamen zukünftigen Abstimmungen zu. Noch ist das Projekt aus mehreren Aspekten weit von Nachhaltigkeit entfernt. Zumindest das Chemnitzer Team des internationalen INTERLACE Projektes und das hoffentlich bald „WE PARAPOM!“ Team sollten sich abstimmen und nicht gegensätzlich argumentieren. Stellt sich bei WE PARAPOM! „Kunst“ über „Leben“ oder wird es doch noch umgekehrt?

„WE PARAPOM!“ Diskussion & Wissenswertes

Vom 1.-3.10.2021 fanden die „Mitteleuropäischen Pomologentage 2021“ in Bad Muskau (Fürst-Pückler-Park , Orangerie) statt, die von der Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LANU) organisiert wurden. Am Vormittag des 1.10. wurde das „WE PARAPOM!“ Projekt  durch Elke Falat (für das WE PARAPOM! Team) vorgestellt. Anschließend wurde ausführlich darüber diskutiert, nachdem auch die kritischen Standpunkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln (Pomologen Verein, lebenswertes Chemnitz) vorgestellt werden konnten. Ich (Dirk Liesch) war aufgrund derApfelbaumprojekt – Kritik“ (12.2.2021) eingeladen, und hatte den konkreten Vorschlag  „Apfelbaumparade wird Streufruchtparade“ mitgebracht.

Projektvorstellung und Position des „WE PARAPOM“ Teams

Seitens des „WE PARAPOM!“ -Teams wurde vorgestellt, dass es immer noch nur ein reines Apfelbaum-Projekt sein soll (Anmerkung: also wahrheitsgemäß „WE PARAMALUS!“ heißen sollte). Außerdem wäre es vor allem ein Kunstprojekt. Die Kunst hätte Vorrang. Deshalb ist auch der Weg der Parade (also die Strecke, auf der die Apfelbäume gepflanzt werden sollen) aus künstlerischen Gesichtspunkten und nach den gesellschaftspolitischen Botschaften, die vermittelt werden sollen, festgelegt wurden. Explizit wurde von Frau Falat als sehr wichtiger Wegpunkt der Parade das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge genannt. Die bisherige „WE PARAMALUS!“ Route fokussiert also nicht zentral auf das „Leben“, also Plätze auf denen die 4.000 Apfelbäume gut wachsen und überleben können, sondern auf politische Botschaften. Da es aber bereits Anfragen von politisch gewollten Interessenten (Einrichtungen & Organisationen) an der Pflanzung gibt, deren Pflanzorte nicht auf der Route liegen, wird bereits nachgdeacht, auch abweichende Pflanzorte mit einzubeziehen.

Eine Einbeziehung externer Meinungen und Expertise war bisher seitens des „WE PARAPOM!“ Teams nicht möglich, da erst jetzt (Ende September 2021) die „organisatorischen Strukturen“ (Kulturhauptstadt Europas 2025 GmbH) offiziell mit Personal besetzt wurden. Trotzdem ist es unmöglich den geplanten Termin (6.11.2021) zur „künstlerischen-urbanen Intervention“ der Entsiegelung mit Hammer und Meisel zu verschieben (was noch nachvollziehbar ist). Aber auch die besonders kritisierte Pflanzung der ersten Apfelbäume (Schaffung von Tatsachen, bevor ein sinnvolles Konzept existiert) erfolgt am gleichen Tag und soll seitens des „WE PARAPOM!“ Teams keinesfalls verschoben werden.

Erkannt hat man im „WE PARAPOM!“ Team bereits, dass „unter den Apfelbäumen“ in 2025 keine Events stattfinden können, weil sie noch zu klein sein werden. Deshalb hat man den Vorschlag aufgegriffen, die Pflanzpfähle der Bäume bunt anzumalen und das als Ankerpunkt zu nehmen, um an und um dem Bäumen ggf. Aktionen stattfinden zu lassen.

Erkannt hat man im Projektteam auch, dass es wahrscheinlich unmöglich sein wird, bis Ende 2025 4.000 Apfelbäume in dem Projekt zu pflanzen. Das „WE PARAPOM!“ Team geht also bereits selbst davon aus, dass diese überall kommunizierte Zahl nicht erreichbar ist. Andererseits wird bisher ausgeschlossen, dass der gegenwärtige „WE PARAMALUS!“ Ansatz (nur Apfelbäume) auf „WE PARAPOM!“ (Streufruchtparade) konkretisiert werden könnte, weil im Bidbook nur von Apfelbäumen geschrieben wurde. Deshalb müssen es nun NUR Apfelbäume sein. Die „künstlerische Freiheit“ schließt also die Projektweiterentwicklung hin zu „PARAPOM“ nicht mit ein, weshalb Stand heute Projektname und das Konzept (nur Apfelbäume = malus) nicht zusammenpassen und das Projekt, wenn man bei der Wahrheit bleibt, „WE PARAMALUS!“ genannt werden müsste.

Eine Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem „Pomologen Verein“ insbesonderer der Landesgruppe Sachsen und dem LANU wird zukünftig angestrebt. Insbesondere geht es dabei um die Themen rund um die Pflege der Bäume, den Schnitt, die Beschaffung der Sorten usw.
Besonderer Wert wurde noch einmal darauf gelegt, dass „WE PARAPOM!“ zu allererst ein Kunstprojekt ist.

Kritiken und Positionen des Pomologen Vereins, des LANU und mir (Initiative „lebenswertes Chemnitz“, aracube e.V.)

Seitens Sabine Fortak (1.Vorsitzende, Pomologen-Verein e.V.) wurde kritisch bemerkt, dass Hinweise, Vorschläge und das Angebot der Zusammenarbeit aus 2019 durch das Kulturhauptstadt Team und dann das „WE PARAPOM!“ Team unbeachtet und unbeantwortet geblieben sind und so eine Chance vertan wurde, dass Projekt von Anfang an positiv zu gestalten. Der Hinweis zu „Malus = Apfelbaum“, also zum falschen Projektnamen, wenn es nur um Apfelbäume geht, stammt von ihr. Erst jetzt, wo schon ein Pflanztermin feststeht (Tatsachen geschaffen werden), kommt der Kontakt wieder zustande. Seitens des Fachberaters des Pomologen Vereins Sachsen e.V.  (Klaus Schwartz), der über 300 Beispielsorten der ausgestellten Äpfel in Bad Muskau bereitgestellt hat (und der über 600 Obstbaumsorten – die Mehrzahl Apfelsorten – für seine Baumschule zur Verfügung hat), wurde erwähnt, dass im letzten Jahr kein Interesse an der  Anzucht erster geeigneter Apfel-Sorten auf geeigneten Unterlagen seitens des „WE PARAPOM!“ Teams gezeigt wurde, obwohl das angeboten wurde und nötig gewesen wäre, wenn die Bäume in diesem Jahr gepflanzt werden sollten.
Die Experten (Pomologinnen) waren sich einig, dass:

  • es besser wäre, nicht nur Apfelbäume, sondern verschiedene Obstbäume und auch Sträucher (Strauchobst) zu pflanzen.
  • Apfelbäume nicht als Randbäume an asphaltierten Straßen, Wegen und Plätzen in der Stadt geeignet sind.
  • Apfelbäume (als Flachwurzler) besonders unter Trockenperioden (Stichwort: Klimawandel) leiden, insbesondere wenn die Standorte nicht optimal sind.
  • das Stadtgebiet KEIN geeigneter Raum ist, einen „Genpool“ von 2.000 Apfelsorten anzulegen, sondern, dass für Chemnitz (Klima, Lage, Böden) maximal einige hundert Apfelsorten in Frage kommen, die sich bei guter Pflege längerfristig entwickeln könnten.
  • die geeignete Standortauswahl zentrale Bedeutung hat, ob die Bäume eine Chance zum Überleben haben.
  • die Bäume (egal ob nur Apfel oder Obst) für etliche Jahre (ca. 7-10 Jahre) einen professionellen Entwicklungsschnitt benötigen. Diese Expertise ist nach ihrer Erfahrung nur sehr schwer genügend Interessenten beizubringen. Aus Erfahrungen aus ihren „Schnitt-Kursen“ der letzten Jahrzehnte wird angezweifelt, dass es genügend interessierte und motivierte „WE PARAPOM!“ Paten geben wird, die das Durchhaltevermögen haben, den Schnitt von Streuobstbäumen gut genug zu erlernen. Diese Pflege (Entwicklungsschnitt) ist aber nötig, damit die Bäume längerfristig überleben.
  •  insbesondere bei Apfelbäumen nur kleine/junge Bäume für die Pflanzung in Frage kommen, da Größere nur sehr schwer anwachsen. Die Bäume werden also in 2025 noch klein und unscheinbar sein.
  • es KEINESFALLS reicht, die Apfel-Bäume (Hochstämme) einfach in die Erde zu setzen und ab und zu mit einem Eimer Wasser zu gießen, sondern zumindest ein guter Windschutz (entsprechende Stützpfähle), Wurzelschutz (gegen Mäuse insbesondere Wühlmäuse, z.B. Wurzelschutznetz um den Wurzelballen beim pflanzen) und Winterschutz/Frostschutz (weißer Anstrich gegen Frostrisse in der Rinde)  erforderlich ist. Die Kosten nur dafür (ohne Baum, Pflanzloch und Erde) würden ca. 150 € pro Baum betragen.
  • Fallobst nicht auf gepflasterten/asphaltierten Flächen landen sollte  (Unfallgefahr, Akzeptanz der Bäume, Verkehrssicherungspflicht, Klagen, kostenintensive Auflagen für Kommune oder priv. Eigentümer nach Gerichtsentscheiden).
  • es UNBEDINGT eines GEEIGNETEN Verwertungskonzeptes für die anfallenden Äpfel bzw. besser des Obstes bedarf.
  • es ein begleitendes Bildungskonzept geben sollte.
  • es sich hier um Leben (lebende Pflanzen) handelt und dass die Kunst sich nicht über das Wohl des Lebens (Überlebenschancen der gepflanzten Obst-Bäume und Gehölze) hinwegsetzen sollte.

Frau Fortak berichtete aus einem ähnlichen Projekt, mit ca. 300 Apfelbäumen in Braunschweig, bei dem die ursprünglichen Zusagen zur Pflege und zum Entwicklungsschnitt dann doch nicht eingehalten wurden, mit entsprechenden negativen Folgen für die Bäume. Dies war mit dem Zweifel verbunden, ob dann die entsprechende Pflege und Schnitt (zumindest in den ersten 8-10 Jahren) bei 4.000 Apfelbäumen durch Chemnitz zu leisten ist, wenn die Bäume erst einmal gepflanzt sind (was einfacher ist, als die Entwicklungspflege). Diese Zweifel standen insbesondere im Raum, da am 16.9.2021 die „Streuobstveranstaltung“ an der Volkshochschule in Chemnitz wegen zu geringem Interesses abgesagt werden musste (also weniger als 7 Personen), und das nachdem im Amtsblatt, der Freien Presse und in anderen lokalen Medien (inkl. Lokalradio) dafür sehr aktiv geworben wurde!

Außerdem wurde über eine Gerichtsentscheidung (konkrete Stadt habe ich nicht notiert) berichtet, in der die Stadt letztendlich verpflichtet wurde,  die Zierapfelbäume (Früchte etwas so groß wie Pflaumen, also sehr klein) jedes Jahr rechtzeitig zu pflücken, ehe die Äpfel auf den Parkplatz fallen (über den die Kronen dieser Bäume reichten). Dabei hatte die Stadt extra Zierapfelbäume gewählt, um Beschwerden wegen der abfallenden Früchte auf den (öffentlichen) Parkplatz zu vermeiden. Deshalb sollte dringlichst darauf geachten werden, dass keine Fallobst der Pflanzungen (auch im ausgewachsenen Zustand der Bäume) auf Wege, Straßen und Plätze fällt, die einer Verkehrssicherungspflicht unterliegen (egal, ob im privaten oder städtischen Eigentum).

Die Vertreterinnen des Pomologen-Vereins betonten, dass sie, auch in dem ungewünschten Fall, dass nur Apfelbäume gepflanzt werden und keine Öffnung des Projektes hin zu „WE PARAPOM!“ erfolgt, mit Ihrer Expertise zur Verfügung stehen, um dann zumindest für die Apfelbäume mitzuhelfen, dass diese sich entwickeln können.

Insgesamt ist die Position der Pomologinnen sehr ähnlich dem der „Streuobstparade„, hinsichtlich Streufruchtpflanzen, Standortauswahl, Pflege, Verwertungskonzept und Bildungskonzept.

Einge wichtige Fragen aus Pomologen-Sicht, die auch für „WE PARAPOM!“ Gültigkeit besitzen, können dem hier verlinkten Fragen- und Kommentarkatalog zum Projekt „Apfelbäumchen für Sachsens Schulen und Kitas“ (PDF Dokument) entnommen werden. (Kommentar: Warum sind derzeit NUR Apfelbäume „In“ und „Hype“?)

Die Vertreterinnen des LANU (Organisatoren der Veranstaltung) haben sich sehr um neutrale Moderation bemüht und nur die Hoffnung formuliert, dass alle Beteiligte an einer möglichst guten und nachhaltigen Lösung interessiert sind, die gegenseitige Expertise nutzen und gemeinsam an einem Strang für ein nachhaltiges Ergebnis ziehen.

Mein (Dirk Liesch) Schwerpunkt lag, neben der Kritik am bisherigen Verhalten des „WE PARAPOM!“ Teams (auch unter dem negativen Eindruck des Gespräches am 25.9.29021 im Bürgerpark Gablenz), vor allem auf:

Als Beispiel hatte ich einen der (erfolgreich belegten) Nistblöcke der Mauerbienen-Aktion mitgebracht, an dem die Verbindung des „realen Lernobjektes“ zum „digitalen Lernpfad“ direkt begutachtet und ausprobiert werden konnte. Zusätzlich hatte ich die Projektkarten zum biMOOC und die Links/QR-Codes zum „Streufrucht“-Vorschlag mitgebracht.

Beide Vorschläge stießen beim „WE PARAPOM!“ Team auf taube Ohren. Es wurde keine Bereitschaft gezeigt, dazu ins Gespräch zu kommen oder auch nur in Kontakt zu bleiben.  Leider.

Wer sich selbst genauer über beide Vorschläge, insbesondere das innovative Bildungskonzept, informieren möchte, ist sehr herzlich zum „Denk Weiter – Das Kongressfestival der Nachhaltigkeit“ am 6.11.2021 im Carlowitz Congresscenter Chemnitz an den „aracube e.V.“ Stand eingeladen. Ich werde (selbstverständlich ehrenamtlich) dort sein.

offizielles Marketing-Bild „Denk Weiter!“
Hintergrundinformationen & Meinungen

Auch aus den Reihen der Pomologinnen kam der inzwischen vielfach gehörte Spruch: „Kultur ist nicht gleich Kunst„, sondern Kunst ist nur ein Teil der Kultur und Chemnitz ist „Kulturhauptstadt“ und NICHT „Kunsthauptstadt“ geworden. Das sollte, zumindest wenn es um „Leben“ (lebende Pflanzen) geht, nicht ganz aus den Augen verloren werden. Insgesamt sollte das Kulturhauptstadtjahr nicht fast ausschließlich auf „Kunsthauptstadt“ reduziert werden. Diese Gefahr ist leider bereits deutlich zu erkennen, nicht nur bei „WE PARAPOM!“ bzw. „WE PARAMALUS!“.

7000 Eichen - Dörnbergstraße 2019-08-06 g
7000 Eichen als Eschen

Oft wird als Vergleichsprojekt das „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ von Joseph Beuys genannt, was zur Dokumenta 7 in Kassel startete und zur Dokumenta 8 abgeschlossen war.

7000 Eichen - Rothenditmolder Straße 2019-09-29 b
7000 Eichen als Linden

Allerdings wurden hier nicht nur Mittel in Höhe mehrerer Millionen Euro vom Künstler selbst beschafft, sondern es wird hier in Chemnitz offensichtlich bewusst vergessen, dass selbst Beuys vernünftigen Argumenten gegenüber offen war und es eben nicht nur

7000 Eichen - Landgraf-Karl-Straße 2019-08-23 a
7000 Eichen als Platanen

Eichen, sondern auch zahlreiche andere Laubbäume geworden sind! (siehe Beispielbilder). Die Frage ist, ob das Chemnitzer „WE PARAMALUS!“ Team bereit ist, ebenfalls vernünftigen Argumenten zu folgen und es tatsächlich ein „WE PARAPOM!“ Projekt werden zu lassen, also eine „Streufruchtparade„.

Kostenbetrachtung zu „WE PARAPOM“

Warum das Projekt nachhaltig werden sollte, zeigt auch ein Blick auf die real zu erwartenden Kosten und den Wert der Arbeitsleistung.

„Hochstämmige“ Obstbäume fachgerecht pflanzen und so entwickeln zu lassen, dass sie längerfristig überleben, bedeutet pro Baum:

  • ca. 50-150 € für den Baum (je nach Sorte und Unterlage)
  • ca. 100-150 € für Wind-, Frost- und „Mäuse“-Schutz.
  • ca. 15-250 € für das Pflanzloch + Standortvorbereitung (Erde etc.) + das Pflanzen selbst
  • ca. 2-4h pro Jahr für 8-10 Jahre zur Baumpflege (inkl. fachgerechter Erziehungsschnitt ca. 1-2h/Jahr)

Für 4.000 Bäume ergibt dies:

  • min. 400.000 bis 600.000 € für die Bäume selbst (eher niedrig angesetzt, wenn Hochstämme und seltene Sorten)
  • min. 400.000 bis 600.000 ,-€ für die Schutzmaßnahmen
  • min. 400.000 für die Pflanzlöcher, Standortvorbereitung, Pflanzung (auch eher niedrig angesetzt)
  • min. 120.000 Stunden fachgerechte Pflegearbeit (bei minimalen 20,-€ pro Stunde = Mindestlohn + Lohnnebenkosten + sonstige Arbeitsnebenkosten) mit einem Wert von min. 2,4 Mio. Euro.

Nach einer zurückhaltenden Schätzung kostet die Baumpflanzung allein mindestens 1,5 Mio € (ohne Kosten des Projektteams, der Organisation, der Events und des Marketing).
Selbst bei einer Bewertung aller Arbeitsleistungen nach dem Mindestlohn, ergibt sich ein Wert, der teilweise ehrenamtlichen Arbeit von mindestens 2,4 Mio €.
Insgesamt kostet „WE PARAPOM!“ NUR für die Bäume mindestens 3,8 Millionen Euro (eher mehr), da auch ehrenamtliche Arbeit einen Wert hat! Für solch eine Investition MUSS „WE PARAPOM!“ nachhaltig sein. Für ein „flüchtiges kurzzeitiges Kunstprojekt“ ist dieser Aufwand zu hoch … zudem alle künstlerischen Aktionen darum herum  (z.B. die Entsiegelungsaktion und alles, was bis 2025 dazu noch geplant ist), zusätzlich ihr eigenes, nicht zu geringes, Geld kosten. Zudem passt fehlende Nachhaltigkeit bei einem „Baumprojekt“ nicht in die heutige Zeit. Das „Leben“ sollte vernünftigerweise vor die „Kunst“ gestellt werden.

Die Chemnitzer Projekte INTERLACE und „WE PARAPOM!“ sollten sich abstimmen
Chat-Beitrag zu Chemnitz im INTERLACE Projekt, Fr. Reinhardt, Chemnitzer INTERLACE Team, internationales Projektmeeting 28.10.2021

Der Chat-Beitrag von Frau Reinhardt ist sicherlich unter dem Eindruck entstanden, dass derzeit gerade 300 Bäume in Chemnitz auf städtischen Flächen gefällt werden (krank wegen der Trockenperioden der letzten Jahre) und nur 150 (also nur 50%) neu gepflanzt werden. Es ist also sehr wohl bekannt, dass es ein zunehmendes Trockenheitsproblem für die Bäume in Chemnitz gibt und bei Neupflanzungen darauf zu achten ist, dass die neu gepflanzten Bäume besser mit diesen Trockenperioden zurecht kommen. Leider kommen gerade Apfelbäume nicht gut mit Trockenheit zurecht. Dazu sprechen beide Projekte (wie der Chat zeigt) bisher eine gegensätzliche Sprache! Wenn der Chat-Beitrag ernst gemeint ist, wären eigentlich die Apfelbäume ganz raus. Zumindest aber sollten die Standorte der Apfelbäume und die genauen Sorten (und Unterlagen) für das Projekt sehr genau (von wirklichen Fachleuten) gewählt werden und vor allem auch andere trockenheitsresistentere „Streufruchtbäume“ in das Projekt einbezogen werden (z.B. „Tiefwurzler“ wie Walnuss, Esskastanie oder Birne).

Zudem sind Apfelbäume nicht so langlebig, wie andere Obstbäume. Wenn man hohle Stämme sucht (kranke Bäume), wird man bei älteren Apfelbäumen eher fündig, als bei anderen Obstarten. Andere Flachwurzler wie Pflaumen/Quitten oder Kirschen bieten nicht so oft hohle Stämme, wie Apfelbäume.

Zahlreiche „Nachhaltigkeits-Gründe“ sprechen eindeutig für eine Anpassung des jetzigen „WE PARAMALUS!“ Konzeptes zu einem „WE PARAPOM!“ Projekt und die Zusammenarbeit mit wirklichen Experten. Es darf nicht nur die Kunst im Fokus stehen. Es geht um konkretes, tatsächliches „Leben“.

Offensichtlicher Widerspruch von „WE PARAMALUS!“ zu den Projektzielen von „WE PARAPOM!“

Selbst die Ziele des Kunstprojektes „WE PARAPOM!“ (Vielfalt, Integration, gegen Ausgrenzung, ökologisch und sozial engagierte Gesellschaft, Hinterfragung von Normen, Migration, Hinterfragung der Repräsentation von Macht, der aktuellen Situation von Demokratie, Engagement der Zivilgesellschaft für aktive demokratische Teilhabe) lassen sich mit „WE PARAPOM!“ und mit weniger „Diktatur“ seitens des Projektteams deutlich besser symbolisieren, als mit mit dem derzeitigen „WE PARAMALUS!“ Ansatz und der weiteren Unterdrückung kritischer Stimmen.
Zu „Paraden“ steht auf der „WE PARAPOM!“ Projektwebsite (Stand 31.10.2021) als Negativbeispiel zu sozialistischen Zeiten: „Hier erfährt das Feiern oft den Beigeschmack von erzwungenem Zujubeln“ – Leider stellt sich dieses Gefühl bisher auch bei der „WE PARAMALUS!“ Apfelbaumparade ein, so wie das Projekt bisher „diktiert“ wird.

In Zeiten, in denen „Fake News“ und Vertrauensverlust in Behörden, Politik und staatliche Stellen (sowie auch unkritische Medien) die „aktuelle Situation der Demokratie“ prägen, sind die unehrlichen Bilder und Texte des „WE PARAPOM!“ Projektes besonders ärgerlich (siehe dazu „C2025 Apfelbaumprojekt – Kritik“ und „C2025: Apfelbaumparade wird Streufruchtparade„). Es wäre ein gutes Konzept, wenn sich Chemnitz offensiv „Ehrlichkeit“ auf die „Kulturhauptstadt – Fahne“ schreibt. Das wäre eine echte „Hinterfragung von Normen„, denn diese Unehrlichkeit, wie bisher auch in der C2025 Kulturhauptstadt Kommunikation, ist eines der Grundübel unserer derzeit angespannten Demokratie -Situation.  Bisher lässt sich dieses Grundübel auch sehr gut an „WE PARAPOM!“  zeigen. Ich vermute aber, dass dieses „selbst Negativbeispiel sein“ nicht bewusst zum „Kunstprojekt“ gehört … aber vielleicht doch ;-).

Seit Anfang an (noch in der Kulturhauptstadt Bewerbungsphase und kontinuierlich danach) wollte die Initiative „lebenswertes Chemnitz“ gemeinsam mit dem Apfelbaumparade-Team das Projekt nachhaltig entwickeln. Mal sehen, wie lange das weiterhin unmöglich bleibt.


Dieser Beitrag enthält auch persönliche Meinungen. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Eigenes (Mit)Denken sollte bei jedem Thema und Informationskanal die wichtigste Grundlage sein.  Der Beitrag „Desinformation (Fake News) aufdecken und einordnen“ (übrigens aus dem Wissensmanagement MOOC) kann bei der zukünftigen eigenen Meinungsbildung positiv unterstützen.